Sesede Terziyan

Wounds Are Forever (Selbstportrait als Nationaldichterin)

Szenische Lesung

Israel, Sommer 2014. Ein Land, zwei Leben, das eine gewaltsam beendet, das andere im Aufbruch: Der Jugendliche Muhammad wurde eben ermordet, aus politischer Rache, die Protagonistin Sivan wartet auf ihren Transport zum Flughafen, One-Way-Ticket, neues Leben, Deutschland. Ein Malteserhündchen pinkelt an ihren Rollkoffer – ein motivischer Vorbote.
Denn vor dieser Ausreise wird uns die historische Backstory erzählt, die natürlich in die andere Richtung verläuft, dabei aber eine radikal neue, feministische Perspektivierung und neue Schauplätze erfährt: Die Autorin leiht der ambivalenten Heldin dafür ihren eigenen Namen, Sivan, schweißt diese jüdische Frau mit einer deutschen Schäferhündin zu einem unschlagbaren Team zusammen und schickt die beiden auf eine so aberwitzige wie schmerzhafte Odyssee, die 1938 in Nazi-Deutschland beginnt und schließlich nach »Falastin« führt, ins umkämpfte gelobte Land. Sivan mutiert dabei von der Holocaustüberlebenden zur Partisanin in den sowjetischen Wäldern und weiter zur wild entschlossenen Zionistin. Sie wird zur überlebensgroßen Figur, zum Körper der kollektiven Erfahrungen, zur leidenschaftlichen und radikalen Ideenträgerin, zu Opfer und Täterin gleichermaßen. Brutal, komisch, rasant und politisch schreibt sich Sivan Ben Yishai das 20. und 21. Jahrhundert auf den eigenen Körper. Sie macht die Historie dabei zur Kulisse, vor der wir unser eigenes Verhältnis zu dieser problematischen Vergangenheit, ihren Wunden und unserem Diskurs darüber neu verhandeln können.

Mit Elementen aus Moran Sanderovichs Perfomance Gog and Magog.


Wir haben uns in Absprache mit dem Team entschieden, am 16/17/Dezember statt des Stücks »Die Geschichte vom Leben und Sterben des neuen Juppi Ja Jey Juden« eine szenische Lesung einer Fassung von Sivan Ben Yishais Stück »Wounds Are Forever (Selbstportrait als Nationaldichterin)« zu zeigen, mit Sesede Terziyan und Moran Sanderovich, eingerichtet von Amit Jacobi. 
»Die Geschichte vom Leben und Sterben des neuen Juppi Ja Jey Juden« reflektiert die Situation von 2014. »Wounds Are forever (Selbstportrait als Nationaldichterin)« setzt dort an, geht aber weiter. Heute, jetzt, braucht es umfassendere, einschließende, nicht ausschließende und vielstimmigere Texte. »Wounds Are Forever« ist ein solcher Text.


Produktionsbild © Dina Schweiger

Fotos © Stefan Loeber

 

Besetzung

SESEDE TERZİYAN

Moran Sanderovich