Love it or leave it!

Wie holt man ein Land auf die Bühne, in dem zugedröhnte Omas vor laufenden Fernsehkameras sich bereit erklären, unbedingt das Arschhaar ihres angebeteten Staatsoberhauptes sein zu wollen? Ein Land, in dem Familienväter die oberste Religionsbehörde um Rat fragen, ob ihre Ehen nach Glaubensvorschriften null und nichtig seien, weil sie sich am nackten Fleisch ihrer eigenen Töchter aufgegeilt haben?

Ein Land, in dem Eltern ihre durch die Sicherheitskräfte getöteten Kinder tagelang im Gefrierschrank aufbahren müssen, weil ihre Häuser von der eigenen Armee beschossen werden.
Kann man die Türkei lieben oder muss man sie verlassen? 
Oder sie erst gar nicht betreten?

Jenseits der sich seit Juli überschlagenden Ereignisse blickt Love it or leave it! hinter die Fassaden einer Republik, die sich seit ihrer Gründung in einem Teufelskreis zu befinden scheint. Hinter gesellschaftlichen Mechanismen und Strukturen zwischenmenschlicher Beziehungen wird die Seele eines zerrissenen Landes erkennbar. Love it or leave it! nimmt den unscheinbaren Alltag unter die Lupe und versucht Antworten zu finden, weniger auf die Frage wie die Türkei dem Abgrund entgegen taumelt, sondern warum.


Uraufführung: 11. November 2016

Foto: Esra Rotthoff

Mo
19:30
Bühne

with English surtitles


19:00 Einführung

with English surtitles


19:00 Einführung

Team

Bühne/Kostüme

Dramaturgie

Besetzung

Lea Draeger

Aylin Esener

Philipp Haagen

Tim Porath

TANER ŞAHİNTÜRK

Mehmet Yılmaz

Pressestimmen

»Es geht um Emanzipation (nicht nur von Frauen), um freies Denken, Minderheitsrechte, religiöse Allmacht – um die Sehnsucht nach einem ach so verwehrten selbstbestimmten Lebens. Was da gesagt wird, dürfte in der gegenwärtigen Erdogan-Türkei zur Verhaftung führen. Die reine Ketzerei. Der freiheitliche Gegenentwurf zum diktatorisch herrschenden Gesellschaftsmodell. Diese Texte sind teils bislang hierzulande (aus falsch verstandener Rücksicht) unerhört. Und also hochpolitisch und mutig.«

Freie Volksbühne Berlin, Reinhard Wengierek

»Türkei, wann werden wir endlich schlau?“ Fragt Schauspieler Mehmet Yilmaz dann gegen Ende in einer tollen, wütenden Suada und schaut dabei von außen durch ein Fenster in das Wohnzimmer Türkei.«

Berliner Morgenpost, Katrin Pauly