Blickwechsel Lehrer*innen Fortbildung

Blickwechsel

Lehrer*innen Fortbildung zu Heimat und Exil – angeknüpft an die Produktion Winterreise des Exil Ensembles

Immer fand ich den Namen falsch, den man uns gab: Emigranten.
Das heißt doch Auswanderer. Aber wir
Wanderten doch nicht aus, nach freiem Entschluß.
Aus Brechts Gedicht Über die Bezeichnung Emigranten

Das Exil Ensemble ist eine Plattform für Künstler*innen, die gezwungen sind, im Exil zu leben. Die sieben professionellen Neuberliner Schauspieler*innen aus Afghanistan, Syrien und Palästina haben im Januar 2017 eine zweiwöchige Recherchetour durch das winterliche Deutschland unternommen und darauf aufbauend mit Haus-Regisseurin Yael Ronen die Produktion Winterreise entwickelt. Welchen Blick werfen sie auf dieses Land? Wie nehmen sie das Zusammensein mit den »Eingeborenen« und mit den Expert*innen wahr, die versuchen, Deutschland zu erklären? Welche gegenseitigen Annäherungsversuche gibt es, wie werden die Beziehungsverhältnisse ausgelotet? Den in Winterreise präsentierten Perspektivwechsel nehmen wir zum Anlass, statt der Betroffenheitsdebatte eine Debatte um ein gemeinsames Miteinander anzustoßen, eine Debatte um Desintegration. Denn das Wort Integration setzt eine Unterordnung unter eine Mehrheitsgesellschaft voraus, setzt das stillschweigend vorausgesetzte Machtgefälle fort.
Ziel der Lehrer*innen-Fortbildung ist es deshalb einerseits, Anregungen zu geben, wie man den Blick nicht-geflüchteter Jugendlichen auf die Situation geflüchteter Menschen in ihrer Umgebung erweitern kann. Andererseits geht es um die Sensibilisierung dafür, wie man geflüchteten Jugendlichen das Ankommen erleichtert, weil sie oft auf ihre Flucht und ihre damit verbundene Geschichte reduziert und nicht als Individuen wahrgenommen werden. Dieser gegenseitige Blick für- und aufeinander führt im besten Falle dazu, dass sich alle ihrer aktiven Rolle in einer inter- und transkulturellen Gesellschaft bewusst werden.
Über den Blickwechsel stellt sich der Blickkontakt her, ein gemeinsamer Austausch auf Augenhöhe, ohne gutgemeintes Helfertum oder vorurteilsbehaftete Ablehnung. Diese Begegnung kann und sollte nicht zuletzt im gesellschaftlichen Raum Schule stattfinden.
 

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